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Der Wasserkreislauf im Glas

Wasser Klasse 1–4 ~30 Min Einführung + Beobachtung über mehrere Tage 3–5 Kinder

Der Wasserkreislauf im Glas

MINT-Bereich: Naturwissenschaften | Klassenstufe: 1–4 Dauer: ~30 Min Einführung + Beobachtung über mehrere Tage | Gruppengröße: 3–5 Kinder BEP-Bezug: Lernende, forschende und entdeckungsfreudige Kinder; Kinder, die sich Werte und Normen erschließen (BNE) | KC-Bezug: Natur und Umwelt wahrnehmen (Wasser als natürliche Ressource)

Lernziele

  • Kinder beobachten und beschreiben Verdunstung und Kondensation als sichtbare Phasen des Wasserkreislaufs
  • Kinder verstehen, dass Wasser in der Natur immer wieder verwendet wird — es geht nicht verloren
  • Kinder verknüpfen das Experiment mit Alltagsphänomenen (Pfütze trocknet, beschlagenes Fenster)
  • Kinder dokumentieren Veränderungen über mehrere Tage und ziehen Schlussfolgerungen

Material

  • [ ] 1 großes, durchsichtiges Einmachglas oder Plastikbox mit Deckel (mind. 1 Liter)
  • [ ] Wasser (ca. 200 ml)
  • [ ] Frischhaltefolie (als Alternative zu einem Deckel)
  • [ ] Gummiband (zum Befestigen der Folie)
  • [ ] Blaue Lebensmittelfarbe (optional, macht Wasser sichtbarer)
  • [ ] Kleiner Stein oder Sand (als "Boden")
  • [ ] Taschenlampe oder Fensterplatz mit Sonne
  • [ ] Forscherprotokoll + Stift (mit Datumsfeldern für mehrere Tage)
  • [ ] Klebestreifen + Stift zur Markierung des Wasserpegels

Durchführung

Forscherkreis

  1. Frage stellen — Mit Impulsfrage einsteigen: "Heute Morgen war auf dem Schulhof eine große Pfütze. Jetzt ist sie weg. Wo ist das Wasser hingegangen?" Kinder äußern erste Ideen. Anschluss-Frage: "Geht das Wasser verloren — oder kommt es irgendwann wieder?" Diese Frage als Titel auf das Forscherprotokoll schreiben.

  2. Vermutungen sammeln — Kinder äußern ihre Vermutungen: Was passiert mit dem Wasser? Wohin geht es? Kommt es zurück? Antworten auf Zettel schreiben/zeichnen und am Experiment-Ort aufhängen. Typische Antworten: "Es verdunstet", "Die Sonne trinkt es", "Es geht in die Erde". Alle Vermutungen ernst nehmen.

  3. Ausprobieren — Aufbau des Mini-Wasserkreislaufs:

  4. Schritt 1: Kleinen Stein/Sand in das Glas legen (symbolisiert den Erdboden).
  5. Schritt 2: Wasser (ggf. blau gefärbt) vorsichtig in das Glas füllen — ca. 2 cm hoch.
  6. Schritt 3: Wasserpegel mit Klebestreifen außen am Glas markieren (Datum + Uhrzeit draufschreiben).
  7. Schritt 4: Glas mit Frischhaltefolie luftdicht verschließen und Gummiband befestigen.
  8. Schritt 5: Glas an einen warmen, sonnigen Platz stellen (Fensterbrett) oder kurz unter eine Tischlampe halten.
  9. Schritt 6: Nach 30 Minuten erste Beobachtung, dann täglich für 3–5 Tage beobachten.

  10. Beobachten — Kinder beobachten täglich und halten fest:

  11. Sehen wir Tröpfchen an der Folie/dem Deckel? Wo genau?
  12. Hat sich der Wasserpegel im Glas verändert?
  13. Was passiert mit den Tröpfchen, wenn das Glas kühl wird (z. B. morgens)?
  14. Wann bilden sich die meisten Tröpfchen (warm/kalt)?

  15. Dokumentieren — Tagesprotokoll mit Datum: Zeichnung des Glases mit eingezeichneten Tröpfchen. Kleiner Text oder Kreuztabelle: "Ich sehe Tröpfchen: ja / nein". Wasserpegel beobachten und einzeichnen. Foto-Option: Handy/Tablet für Tagesfotos, daraus eine kleine Bildgeschichte erstellen.

  16. Reflektieren — Abschlussgespräch nach mehreren Tagen:

  17. "Was haben wir in unserem Glas beobachtet?"
  18. "Woher kommen die Tröpfchen an der Folie?"
  19. "Hat sich der Wasserpegel verändert? Warum (nicht)?" (Das Wasser im geschlossenen System bleibt gleich!)
  20. "Was passiert in der echten Natur? Wo ist die 'Folie' in der Natur?" (Antwort: die Atmosphäre/Wolken)
  21. BNE-Transfer: "In einem Glas geht kein Wasser verloren. Was bedeutet das für die Erde? Wie viel Wasser gibt es wirklich?"

Differenzierung

  • Klasse 1–2: Gemeinsames Protokollblatt mit vorgezeichnetem Glas — Kinder malen die Tröpfchen ein. Fachkraft erklärt täglich mit einfachen Wörtern: "Das Wasser wird zu kleinen, unsichtbaren Teilen (Dampf) und steigt nach oben. Oben wird es wieder kalt und sammelt sich als Tröpfchen." Bildkarten mit Sonne/Wolke/Regen als Gesprächshilfe.
  • Klasse 3–4: Kinder führen das Protokoll selbstständig und formulieren täglich eine Beobachtung in einem Satz. Fachbegriffe einführen und von Kindern erklären lassen: Verdunstung (Wasser → Wasserdampf), Kondensation (Wasserdampf → Tröpfchen), Niederschlag (Regen, Schnee). Zusatzaufgabe: Wasserkreislauf-Zeichnung mit Beschriftung anfertigen. Rechenaufgabe (Kl. 4): Wie viel Liter Wasser verbraucht eine Person täglich? Wie viel ist das im Jahr?

Hintergrundwissen (für Fachkräfte)

Der Wasserkreislauf beschreibt den ewigen Kreislauf des Wassers auf der Erde. Er besteht aus drei Kernphasen: Verdunstung (Evaporation): Sonnenenergie bringt flüssiges Wasser dazu, in die gasförmige Phase (Wasserdampf) überzugehen. Das passiert an Meeresoberflächen, Seen, Flüssen, aber auch auf feuchten Böden und durch Transpiration von Pflanzen. Kondensation: Steigt Wasserdampf in der Atmosphäre auf, kühlt er ab und kondensiert an Staubpartikeln zu Wassertröpfchen — das sind Wolken. Niederschlag (Präzipitation): Wenn Wassertröpfchen in Wolken groß genug werden, fallen sie als Regen, Schnee oder Hagel zurück auf die Erde.

Im Glas-Experiment ist die Frischhaltefolie das Äquivalent zur Atmosphäre: Das Wasser verdunstet durch Wärme, der Dampf kondensiert an der kühlen Folie, die Tröpfchen fallen zurück ins Wasser. Der Wasserpegel bleibt in einem geschlossenen System konstant — genau wie auf der Erde.

BNE-Relevanz: Das gesamte Wasser auf der Erde ist seit Milliarden Jahren dasselbe — es wird nur immer wieder umgewandelt. Süßwasser ist eine knappe Ressource (nur ~3 % des Gesamtwassers auf der Erde, davon über 2 % gefroren). Wasserverschmutzung und übermäßiger Verbrauch sind globale Herausforderungen.

Sicherheitshinweise

  • Kein Trinken des Experimentierwassers (Stein, Sand und Behälter sind nicht lebensmittelecht).
  • Blaue Lebensmittelfarbe kann Kleidung färben — Schürzen tragen.
  • Glas-Behälter: Auf Bruchgefahr achten, bei jüngeren Kindern Plastikbehälter bevorzugen.
  • Experiment auf einer stabilen Unterlage aufstellen, die nicht umgestoßen werden kann.

Qualitätsprüfung

  • [x] BEP-konform | [x] KC-Bezug | [x] Forscherkreis
  • [x] Alltagsmaterial | [x] Sachlich korrekt | [x] Differenziert