Das Bohnen-Tagebuch
Das Bohnen-Tagebuch
MINT-Bereich: Naturwissenschaften | Klassenstufe: 1–4 Dauer: ~20 Min täglich über 2–3 Wochen | Gruppengröße: 2–5 Kinder (je eigene Bohne oder Kleingruppenbeobachtung) BEP-Bezug: Lernende, forschende und entdeckungsfreudige Kinder; Kinder, die sich Werte und Normen erschließen (BNE — Wertschätzung von Lebensmitteln) | KC-Bezug: Natur und Umwelt wahrnehmen (Lebewesen und Lebensräume — Pflanzenwachstum)
Lernziele
- Kinder beobachten den vollständigen Keimungsprozess einer Bohne und beschreiben die einzelnen Phasen
- Kinder dokumentieren Wachstum über mehrere Wochen durch regelmäßige Zeichnungen und Messungen
- Kinder verbinden das Experiment mit dem Ursprung von Lebensmitteln und entwickeln Wertschätzung für Pflanzenprodukte
- Kinder üben kontinuierliche wissenschaftliche Beobachtung und Geduld
Material
- [ ] Bohnensamen (Buschbohnen, Stangenbohnen oder dicke Bohnen — ca. 3 Samen pro Kind, damit bei Keimungsproblemen Ersatz vorhanden)
- [ ] Durchsichtige Plastikbecher oder Einmachgläser (1 pro Kind/Gruppe)
- [ ] Küchenpapier oder Watte (als Substrat für erste Keimungsphase)
- [ ] Erde (Blumenerde, ca. 1 Liter)
- [ ] Blumentopf oder Joghurtbecher mit Loch (für zweite Phase — Einpflanzen)
- [ ] Wasser und Gießkanne oder kleines Fläschchen
- [ ] Lineal
- [ ] Forschertagebuch (selbst gebastelt: Deckblatt + 14 Beobachtungsseiten mit Datum, Zeichenfeld, Messfeld, Notizfeld)
- [ ] Bleistift, Buntstifte
- [ ] Kamera oder Handy für Tagesfotos (optional)
- [ ] Klebestreifen + Namenszettel (für jeden Becher)
Durchführung
Forscherkreis
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Frage stellen — Trockene Bohne zeigen, dann ein Bild einer blühenden Bohnenpflanze daneben legen. Impulsfrage: "Das ist dasselbe! Diese trockene, harte Bohne wird zu dieser riesigen Pflanze. Was passiert dazwischen? Was braucht die Bohne dafür?" Kinder überlegen und erzählen, was sie über Pflanzenwachstum wissen. Anschlussfrage: "Wie lange dauert das wohl? Einen Tag? Eine Woche? Einen Monat?" Schätzungen eintragen.
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Vermutungen sammeln — Kinder zeichnen ins Tagebuch, was sie erwarten: Wie sieht die Bohne in einer Woche aus? In zwei Wochen? Sie schreiben oder diktieren ihre Vermutungen auf das erste Tagebuchblatt. Dann: "Was braucht die Bohne, um zu wachsen?" Kinder benennen: Wasser, Erde, Licht, Wärme. Alle Ideen festhalten.
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Ausprobieren — Langzeit-Experiment aufbauen:
- Tag 1: Küchenpapier nass machen, in den durchsichtigen Becher legen. Bohne zwischen Papier und Becherwand platzieren (von außen sichtbar). Becher benetzen (nicht überfluten) und an warmen Ort stellen.
- Tag 2–4: Täglich beobachten und Becher feucht halten — noch nicht begießen, nur sprühen oder ein paar Tropfen.
- Tag 4–7 (Einpflanzen in Erde): Sobald ein kleiner Keimling sichtbar ist (weiße Wurzel oder erster Stängel), Bohne vorsichtig in Erde umpflanzen. Erde in Topf füllen, Bohne 2–3 cm tief eingraben, leicht andrücken, gießen.
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Woche 2–3: Tägliche Beobachtung + Messung. Gelegentlich gießen (Erde soll leicht feucht, aber nicht nass sein). An hellen, warmen Platz stellen.
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Beobachten — Kinder beobachten täglich und dokumentieren:
- Was sieht man heute, was gestern noch nicht zu sehen war?
- Wo wächst die Pflanze zuerst — nach oben oder nach unten?
- Wie sehen die ersten Blätter aus? Wie verändert sich ihre Form?
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Was passiert, wenn wir einmal vergessen zu gießen? (Pflanze hängt → nach dem Gießen erholt sie sich)
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Dokumentieren — Täglicher Tagebucheintrag (ca. 5 Min):
- Datum und Tag-Nummer eintragen
- Zeichnung der Pflanze (so genau wie möglich)
- Messung: Wie hoch ist der Stängel heute in cm?
- 1–2 Sätze Beobachtung: "Heute sehe ich zum ersten Mal..."
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Optional: Foto für Vergleich Wachstumskurve: Kinder tragen die täglichen Messwerte in ein einfaches Diagramm ein (ab Kl. 3).
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Reflektieren — Abschlussgespräch nach 2–3 Wochen:
- "Was hat die Bohne alles durchgemacht?" Phasen benennen: Quellen, Keimen, Austreiben, Wachsen.
- "Was wäre passiert, wenn wir nicht gegossen hätten? Wenn es ganz dunkel gewesen wäre?"
- "Wo kommt das Material für die neue Pflanze her?" (Nährstoffe aus der Erde, Kohlenstoff aus der Luft, Energie von der Sonne)
- BNE-Transfer: "Woher kommt die Bohne in unserer Suppe? Wie lange hat sie gebraucht, um zu wachsen?" Wertschätzung für Lebensmittel.
- "Was könnt ihr mit eurer Pflanze jetzt machen?" (Einpflanzen im Schulgarten, nach Hause mitnehmen)
Differenzierung
- Klasse 1–2: Vorbereitetes Tagebuch mit Vorlage (Zeichenfeld mit vorgedrucktem Topfumriss, Messskala zum Einzeichnen). Gemeinsames Gruppentagesbuch als Alternative zu individuellem. Fachkraft schreibt Beobachtungen auf, Kinder zeichnen. Fokus auf: Sehen, Beschreiben, Staunen. Kernsatz: "Die Bohne hatte alles zum Wachsen drin — sie brauchte nur Wasser und Wärme, um anzufangen."
- Klasse 3–4: Selbstständiges Tagebuch. Wachstumskurve als Balken- oder Liniendiagramm. Fachbegriffe einführen und erklären lassen: Keimung, Keimling, Keimblatt (Kotyledone), Wurzel, Stängel, Blatt, Photosynthese (vereinfacht). Vergleich: Klasse beobachtet je eine Bohne unter verschiedenen Bedingungen (unterschiedlich viel Licht, Wärme) — Verbindung zu "Was brauchen Pflanzen?".
Hintergrundwissen (für Fachkräfte)
Keimung (Germination): Ein Samen keimt, wenn Wasser, Wärme und Sauerstoff vorhanden sind (Licht ist für die Keimung selbst nicht nötig, aber für das weitere Wachstum). Der Samen nimmt Wasser auf (Quellen), die Schutzhülle platzt, und der Keimling beginnt zu wachsen.
Bei Bohnen wächst zuerst die Keimwurzel (Radicula) nach unten (Gravitropismus — Reaktion auf Schwerkraft). Kurz darauf schiebt sich der Keimstängel mit den Keimblättern (Kotyledonen) nach oben. Die Keimblätter sind Nährstoffspeicher aus dem Samen — sie schrumpfen nach und nach, während die echten Laubblätter erscheinen.
Photosynthese (vereinfacht): Sobald die ersten echten Blätter erscheinen, beginnt die Pflanze, Sonnenenergie zu nutzen, um aus Wasser und Kohlendioxid aus der Luft Zucker (Traubenzucker) herzustellen. Das ist die Grundlage aller pflanzlichen Biomasse. Formel: Kohlendioxid + Wasser + Licht → Zucker + Sauerstoff.
BNE-Bezug: Deutschland importiert einen erheblichen Teil seiner Lebensmittel. Selbst gekeimte Bohnen schaffen einen direkten Bezug zur Lebensmittelproduktion und fördern Wertschätzung. Auch Themen wie Saisonalität, regionaler Anbau und Ressourcenverbrauch können angesprochen werden.
Sicherheitshinweise
- Erde kann Allergien oder Hautreizungen auslösen: Hände nach der Arbeit waschen.
- Bohnen nicht essen — rohe Bohnen enthalten Phasin (giftig, wird durch Kochen unschädlich). Kinder darauf hinweisen: "Diese Bohnen sind zum Forschen, nicht zum Essen."
- Wasser: Überflutung der Becher vermeiden (Schimmelgefahr). Falls Schimmel entsteht, betroffene Bohne entsorgen und neu beginnen.
- Topf/Becher sicher auf stabiler Unterlage aufstellen.
Qualitätsprüfung
- [x] BEP-konform | [x] KC-Bezug | [x] Forscherkreis
- [x] Alltagsmaterial | [x] Sachlich korrekt | [x] Differenziert