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Boden erforschen — Was lebt unter unseren Füßen?

Klasse 1–4 ~50 Min 3–5 Kinder

Boden erforschen — Was lebt unter unseren Füßen?

MINT-Bereich: Naturwissenschaften | Klassenstufe: 1–4 Dauer: ~50 Min | Gruppengröße: 3–5 Kinder BEP-Bezug: Lernende, forschende und entdeckungsfreudige Kinder; Verantwortungsvolle und wertorientierte Kinder | KC-Bezug: Sachunterricht — Natur und Technik: Lebewesen und Lebensräume; Stoffe und Energie

Lernziele

  • Kinder erkennen, dass Boden kein toter Stoff ist, sondern ein lebendiger Lebensraum
  • Kinder können verschiedene Bodenlebewesen benennen und mit der Lupe beobachten
  • Kinder verstehen die Rolle von Zersetzern im Nährstoffkreislauf
  • Kinder entwickeln eine wertschätzende Haltung gegenüber Bodentieren und Bodenschutz (BNE)

Material

  • [ ] Kleine Schaufeln oder große Holzlöffel (je 1 pro Kind)
  • [ ] Flache, weiße Schälchen oder Wanne (z.B. Frischhalteboxen) für Bodenproben
  • [ ] Lupen oder Becherlupen (1 pro Kind oder Tandem)
  • [ ] Pinsel und weiche Stäbchen (zum behutsamen Bewegen von Tieren)
  • [ ] Bestimmungskarten für Bodenlebewesen (laminiert)
  • [ ] Forscherprotokoll mit Zeichenfeld
  • [ ] Bleistifte
  • [ ] Kleines Sieb (optional, für Bodensieben)
  • [ ] Eimer mit Wasser und Seife für Hände-Waschen nach der Aktivität

Durchführung

Forscherkreis

  1. Frage stellen — "Was lebt unter unseren Füßen? Wenn wir auf dem Waldboden stehen — was denkt ihr, ist da alles drin?" Kinder stehen auf Waldboden: "Wie viele Lebewesen könnten unter eurem Fuß leben? 10? 100? 1.000?" Antwort: In einem Teelöffel gesunden Waldboden leben mehr Mikroorganismen, als es Menschen auf der Erde gibt.

  2. Vermutungen sammeln — Kinder zeichnen oder schreiben, was sie im Boden vermuten. Jedes Kind zeigt seine Ideen. Vermutungen festhalten: "Das werden wir überprüfen."

  3. Ausprobieren — Phase 1: Bodenprobe nehmen — Kinder nehmen an verschiedenen Stellen eine kleine Bodenprobe (2–3 Schaufeln) in die weißen Schälchen. Wichtig: Vergleich verschiedener Stellen: unter Laub, unter Moos, in reiner Erde, an einem sonnigen und einem schattigen Ort. Jede Probe beschriften.

  4. Ausprobieren — Phase 2: Untersuchen mit der Lupe — Kinder untersuchen die Bodenproben mit Lupe oder Becherlupe. Mit Pinsel vorsichtig Tiere freilegen und beobachten. Bestimmungskarten vergleichen: Was für Tiere sind das?

Häufige Bodenlebewesen: - Regenwurm (Oligochaeta) — zieht Laub in den Boden, lockert Erde - Kellerassel (Isopoda) — Zersetzerin, verarbeitet Totholz - Tausendfüßer / Hundertfüßer — Unterschied: Tausendfüßer = 2 Beinpaare pro Segment, Hundertfüßer = 1 Beinpaar pro Segment - Springschwanz (Collembola) — winzig, springt durch Sprungabel - Milben (Acari) — sehr klein, 8 Beine (Spinnentiere!) - Enchytraeen (Weißwürmer) — sehr kleine, blasse Verwandte des Regenwurms - Käferlarven, Schnecken, Nacktschnecken

  1. Beobachten und Dokumentieren — Kinder zeichnen, was sie gefunden haben, und beschriften die Zeichnung. Zählen: Wie viele verschiedene Tierarten? Vergleich der Proben: Wo gab es die meisten Tiere?

  2. Reflektieren — Tiere nach der Beobachtung wieder freilassen, Erde zurückfüllen. "Was würde passieren, wenn es keine Regenwürmer mehr gäbe?" / "Warum ist gesunder Boden so wichtig?" / "Was schadet dem Boden?" (Versiegelung, Pestizide, Verdichtung durch Fahrzeuge) / "Was können wir tun, um den Boden zu schützen?"

Vereinfachter Berlese-Trichter (optional, Klasse 3–4)

Ein Berlese-Trichter nutzt Licht und Wärme, um Bodentiere aus einer Probe herauszutreiben:

Aufbau (vereinfacht): 1. Plastikflasche oben abschneiden, umdrehen (Trichter nach unten) 2. Sieb oder Gaze einlegen 3. Bodenprobe auf das Sieb legen 4. Lampe (oder Sonne) von oben auf die Probe richten 5. Darunter ein weißes Schälchen mit etwas Wasser stellen

Tiere kriechen vom Licht und der Wärme weg — nach unten in das Schälchen. Nach 30–60 Minuten hat man eine konzentrierte Sammlung kleiner Bodentiere.

Differenzierung

  • Klasse 1–2: Nur Regenwurm, Kellerassel und Schnecken identifizieren; Bodenprobe einfach mit Händen und Lupe untersuchen; Tiere zeichnen; keine Bestimmung auf Art-Ebene; Reflexion oral
  • Klasse 3–4: Bestimmung bis zur Ordnung/Familie; Vergleich von 3 verschiedenen Bodenproben; Tabelle: Tierart, Anzahl, Lebensraum (Schicht); vereinfachter Berlese-Trichter aufbauen; BNE-Diskussion: Bodenschutz, Versiegelung, Kompost; Nahrungsnetze des Bodens zeichnen

Hintergrundwissen (für Fachkräfte)

Boden ist ein Ökosystem — kein toter Stoff, sondern ein hochkomplexes Gefüge aus mineralischen Bestandteilen (Sand, Schluff, Ton), organischer Substanz (Humus) und einer riesigen Vielfalt an Lebewesen.

Ein Hektar gesunder Waldboden enthält: - Bis zu 4 Millionen Regenwürmer - Bis zu 100.000 Milben pro Quadratmeter - Millionen Springschwänze, Käfer, Asseln - Unzählige Pilzfäden (Myzel): 1 Teelöffel Boden enthält bis zu 8 km Pilzfäden - Trillionen Bakterien und andere Mikroorganismen

Regenwürmer sind Schlüsselorganismen: Sie zerkleinern Laub und organisches Material, scheiden es als Humus aus und lockern den Boden durch ihre Gänge (bis zu 300 Gänge pro Quadratmeter). Darwin widmete ihnen sein letztes Buch (1881) und nannte sie die wichtigsten Lebewesen der Erde.

Nährstoffkreislauf: Abgestorbene Pflanzen und Tiere werden von Zersetzern (Regenwurm, Kellerassel, Pilze, Bakterien) zerlegt und in Mineralstoffe umgewandelt. Diese Mineralstoffe werden von Pflanzenwurzeln aufgenommen. Ohne Zersetzer wäre die Erde in Jahrtausenden unter Laub und Totholz begraben.

BNE-Bezug: Bodenverlust ist eine globale Krise: Weltweit verlieren wir jährlich 24 Milliarden Tonnen fruchtbaren Boden durch Erosion, Versiegelung und Überbewirtschaftung. Die Bildung von 1 cm Mutterboden dauert 100–1.000 Jahre. Kinder, die Bodenlebewesen kennen und wertschätzen, entwickeln ein Verständnis für den Schutz dieser unsichtbaren Welt.

Sicherheitshinweise

  • Hände nach der Aktivität gründlich mit Seife waschen — Pflicht, keine Ausnahme
  • Keine Tiere anfassen, die man nicht kennt (manche Tausendfüßer können Hautrötungen verursachen)
  • Keine Pflanzen, Beeren oder Pilze aus dem Boden essen oder in den Mund nehmen
  • Tiere nach der Beobachtung immer wieder freilassen und Erde zurückfüllen
  • Tetanus-Impfschutz der Kinder empfohlen (bei der Aufnahme ans Ganztagsprogramm prüfen)
  • Bei bekannten Allergien (Insektenstiche) Notfallmedikamente mitführen

Qualitätsprüfung

  • [x] BEP-konform | [x] KC-Bezug | [x] Forscherkreis
  • [x] Nur Naturmaterial + einfache Hilfsmittel | [x] Sachlich korrekt | [x] Differenziert