Bäume vermessen — Wie alt und wie groß ist dieser Baum?
Bäume vermessen — Wie alt und wie groß ist dieser Baum?
MINT-Bereich: Mathematik + Naturwissenschaften (interdisziplinär) | Klassenstufe: 1–4 Dauer: ~60 Min | Gruppengröße: 3–6 Kinder BEP-Bezug: Lernende, forschende und entdeckungsfreudige Kinder; Verantwortungsvolle und wertorientierte Kinder | KC-Bezug: Mathematik — Messen und Größen; Sachunterricht — Natur und Technik: Lebewesen und Lebensräume
Lernziele
- Kinder messen und schätzen Baumumfang und Baumhöhe mit geeigneten Methoden
- Kinder verstehen den Zusammenhang zwischen Jahresringen und Baumalter
- Kinder können Baumarten anhand von Rinde und Blättern unterscheiden
- Kinder entwickeln eine wertschätzende Haltung gegenüber alten Bäumen (BNE)
Material
- [ ] Maßband (5 m) oder Wollschnur + Meterstab
- [ ] Klemmbretter mit Forscherprotokoll
- [ ] Bleistifte (wetterfest / Bleistift hält draußen besser als Tinte)
- [ ] Weißes Papier und Wachsmalstifte / Ölkreide für Frottage
- [ ] Baumbestimmungskarten (laminiert, z.B. Eiche, Buche, Birke, Ahorn, Kiefer)
- [ ] Optional: Meterstab oder langer Stock (für Höhenmessung)
- [ ] Optional: Lupe (für Rinden-Nahaufnahme)
- [ ] Baumscheibe oder Foto einer Baumscheibe mit Jahresringen
Durchführung
Forscherkreis
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Frage stellen — "Wie alt ist dieser Baum? Und wie groß ist er? Können wir das herausfinden — ohne ihn zu fällen?" Baum auswählen und gemeinsam anschauen. Impulse: "Wie lange, glaubt ihr, braucht ein Baum, um so groß zu werden?" / "Was würdet ihr gerne über diesen Baum wissen?"
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Vermutungen sammeln — Jedes Kind schätzt: Wie alt ist der Baum? Wie groß ist er? Wie groß ist sein Umfang? Schätzungen aufschreiben. Am Ende vergleichen.
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Ausprobieren — Station 1: Umfang messen — Maßband oder Wollschnur in 1,30 m Höhe (Brusthöhe, international standardisiert) um den Stamm legen. Umfang ablesen oder Wollschnur auseinanderziehen und mit Meterstab messen. Ergebnis notieren: "Unser Baum hat einen Umfang von ___ cm."
Vergleich mit Armspannen: Wie viele Kinder brauchen wir, um den Baum zu umarmen?
- Ausprobieren — Station 2: Höhe schätzen — Methode 1 (Daumen-Methode): Kind streckt den Arm aus, hält einen Stift senkrecht, schließt ein Auge. Auge, Daumenspitze und Baumfuß auf eine Linie bringen. Dann Stift so halten, dass die Länge des Stifts scheinbar der Baumhöhe entspricht. Kind dreht den Stift waagerecht — bis zu welchem Punkt auf dem Boden reicht das? Diese Distanz = geschätzte Baumhöhe.
Methode 2 (Stockmethode): Gleich langen Stock nehmen. Mit ausgestrecktem Arm halten, bis Stock und Baum scheinbar gleich groß sind. Entfernung zum Baum messen = Baumhöhe.
- Beobachten — Station 3: Rinde und Jahresringe — Rinde frottieren (Papier auf Rinde legen, mit Wachsmalstift drüberreiben). Wie fühlt sich die Rinde an? Tief gefurcht, glatt, schuppig, borkig?
Jahresringe an der Baumscheibe (mitgebracht) zählen: 1 Ring = 1 Jahr. Ältester Baum der Welt? (Bristlecone Pine, USA: über 4.800 Jahre)
Baumbestimmung: Welche Baumarten stehen hier? Blätter und Rinde mit Bestimmungskarten vergleichen.
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Dokumentieren — Forscherprotokoll ausfüllen: Skizze des Baums, Messergebnisse, Schätzungen vergleichen, Baumart bestimmt.
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Reflektieren — "Lagen unsere Schätzungen richtig?" / "Wie viel Wasser und Kohlenstoff speichert so ein alter Baum wohl?" / "Was würde passieren, wenn dieser Baum gefällt würde?" / "Warum sind alte Bäume besonders wertvoll?"
Differenzierung
- Klasse 1–2: Nur Umfangmessung mit Armspannen (kein Maßband nötig); Frottage als Hauptaufgabe; Bestimmung nur nach Blattform (3–4 Arten); kein Höhenmessen; Fragen oral beantworten
- Klasse 3–4: Alle Stationen; Höhenmessung mit Daumen- oder Stockmethode; Umfang in cm messen und notieren; Jahresringe zählen und Alter berechnen; Tabelle anlegen: Vergleich von 3–4 verschiedenen Bäumen; Ergebnisse als Diagramm aufbereiten; Recherche-Auftrag (mit Bestimmungsbuch): Welche Bäume wachsen am schnellsten?
Hintergrundwissen (für Fachkräfte)
Baumumfang und -alter: In der Forstwirtschaft gilt als Faustregel: 1 cm Stammumfang pro Jahr Wachstum (gemessen in 1,30 m Höhe, dem sogenannten BHD — Brusthöhendurchmesser). Das gilt jedoch nur annäherungsweise und variiert stark nach Baumart, Standort und Lichtverhältnissen. Eine Buche mit 120 cm Umfang ist also etwa 120 Jahre alt — sie wurde bereits vor Beginn des Ersten Weltkriegs gepflanzt.
Jahresringe entstehen, weil Bäume im Frühjahr schnell wachsen (helles, weiches Holz) und im Herbst langsam (dunkles, hartes Holz). Jedes Jahr entsteht ein heller und ein dunkler Ring — zusammen bilden sie einen Jahresring. Dünne Ringe in Trockenjahren, breite in regenreichen Jahren. Die Wissenschaft, die Jahresringe auswertet, heißt Dendrochronologie und kann damit Klimadaten vergangener Jahrhunderte rekonstruieren.
Bäume als CO₂-Speicher: Ein ausgewachsener Buchenbaum (ca. 100 Jahre alt) speichert etwa 1 Tonne CO₂ in seinem Holz. Gleichzeitig bindet er jährlich ca. 12,5 kg CO₂ durch Photosynthese. Alte Bäume sind daher ökologisch wertvoller als junge — ein wichtiges BNE-Argument.
BNE-Bezug: Alte Bäume sind Hotspots der Biodiversität: Über 500 Insekten- und Tierarten können in einem einzigen alten Eichenbaum leben. Höhlenbäume bieten Lebensraum für Fledermäuse, Eulen, Spechte und Kleinsäuger. Totenholz ist kein "totes" Holz, sondern Lebensraum für Tausende von Zersetzer-Arten.
Sicherheitshinweise
- Abstände zu Bäumen bei Wind oder Sturm einhalten (keine Äste können fallen)
- Nicht auf Bäume klettern
- Bei Baumscheiben (Sägeflächen): keine scharfen Kanten berühren, Splitter möglich
- Hände nach der Aktivität waschen
- Keine Pilze oder Beeren berühren/essen — auch wenn sie verlockend aussehen
- Zeckenschutz: lange Kleidung, nach dem Ausflug Haut absuchen
Qualitätsprüfung
- [x] BEP-konform | [x] KC-Bezug | [x] Forscherkreis
- [x] Nur Naturmaterial + einfache Hilfsmittel | [x] Sachlich korrekt | [x] Differenziert